• Karo Kulinarik - Foodblog

Das perfekte Dinner in Erfurt | Karoline und die Erfurter Originale - Teil 1

Was kocht man, wenn die ganze Nation zuschaut? Naja - die halbe - eine Menge Menschen ganz sicher, aber bis auf vier kann es niemand probieren. Eine Frage auf die ich in bester Klugscheißer-Manier schon oft eine Antwort hatte. Zumindest konnte ich den Teilnehmern, die bereits eine Entscheidung getroffen hatten immer ziemlich gut erklären, wie es nicht geht oder besser gegangen wäre. Im Schutze meines Wohnzimmers natürlich und ohne das mich jemand hört.

Mein Mann sagte "Bei Kochsendungen wirst du zum Bundestrainer" und ganz ähnlich geht es wohl vielen Zuschauern von "Das perfekte Dinner", welches nun schon exakt seit 15 Jahren im Vorabendprogramm läuft. Ungefähr seitdem schau ich das auch und der Satz "Wenn ich da mal mitmache..." wurde auch schon zu diversen Gelegenheiten verwendet. Als mal wieder ein Banner mit "Erfurt sucht Hobbyköche" eingeblendet wurde (nach Jahren!), bekam ich auch zahlreiche Nachrichten. Aber den Mut mich anzumelden hatte ich nicht und zum Glück hat das auch niemand meiner Freunde gewagt (oder hinbekommen, denn das Formular ist sehr komplex).

Na und dann kam da im November eine Nachricht auf unseren Instagram Channel. Der Hashtag Erfurt und ein Bild einer Torte hatte scheinbar gereicht um die Castingagentur auf uns aufmerksam zu machen, die für Erfurt nach mehrjähriger Pause Teilnehmer für eben diese Sendung suchte.

Ja, ne... das kann ich ja jetzt... oder doch? Wann? Ich hab sicher eh keine Zeit... doch hab ich. Verdammt. Und nun?

"Na jetzt machst du das. Wolltest du doch sowieso irgendwann mal, oder?" - sagt mein Mann so einfach... Das ICH da mitmache und nicht er, stand für ihn außer Frage. Kompliment oder reiner Selbstschutz? Ich weiß es nicht...



Okay - vorher muss man ja noch ein Video und ein Menü einreichen. Theoretisch können sie ja auch noch jemand anderen aussuchen. Aber da ist ja noch die Sache mit dem Essen. Ist ja schließlich eine Kochsendung und blamieren geht jetzt auch nicht unbedingt, denn dann darf ich sicher nie wieder vor dem Fernseher sitzen und darüber schimpfen, dass das ja ganz anders gemacht wird... Schon ab diesem Moment fing ich an mein Verhalten dahingehend eventuell ändern zu wollen. Mitleid machte sich breit. Vielleicht auch Selbstmitleid? Schließlich könnte mich dieses Schicksal auch ereilen...


Gut - die Fakten - es werden immer drei Gänge gekocht und man erfährt erst wenn es losgeht, was die anderen Mitstreiter so mögen oder eben auch nicht. Knifflig. Es gilt also ein Menü zusammenzustellen, dass man gut allein bewältigen kann - das an einem Tag zu kochen ist - allen schmeckt im Idealfall - flexibel zu ändern ist, sollte ein Vegetarier dabei sein und ... das den eigenen Ansprüchen genügt. Das war die größte Schwierigkeit, denn es sollte gut aussehen auf dem Teller, regional und saisonal sein und irgendwie auch noch was mit mir zutun haben... Vielleicht auch noch nicht 100mal dagewesen sein. Schokokuchen mit flüssigem Kern, Rinderfilet und Lachstatar fliegen also raus. Macht nix.


Erstaunlich aber war - nach einem Abend (zugegeben, er war ziemlich langer) stand das Ding und war bereit um es dem Castingteam vorzulegen.


Das Menü für mein perfektes Dinner


Motto:

"Erfurter Originale"


Vorspeise:

Herzhafter Cheesecake auf Erfurter Brunnenkresse

(...mit Senf Dressing, Zwiebeln und Bacon und einem Kartoffelchipring als Garnitur)


Hauptspeise: Heimisches Wild an Gin Jus mit Wintergemüsepüree und Kartoffelbaumkuchen.

Dazu geplant (aber nicht auf der Karte) Brombeeren, glasierte Urmöhren,

Portwein Schalotten und Haselnuss Crunch


Dessert: Schokoladenbrownie mit einer Birnenvariation, bestehend aus Birnensorbet, Chip, gekochten Gewürzbirnen und einem Lemon-Ingwer-Curd, sowie Baisercrumble



Ich hatte mir in den Kopf gesetzt in jedem Gang mindestens ein typisches Erfurter Produkt in Szene zu setzen und das ganz ohne Bratwurst. Schon frech - so als "Nicht-Erfurter".

Zudem war die Idee, dass Thema des Menüs auch optisch auf dem Tisch umzusetzen, denn eine schöne und auch einfallsreiche Deko gehört für mich zu einem Dinner mit Perfektionsanspruch unbedingt dazu. Mit der freundlichen Unterstützung vom Erfurt Mitte Laden*, habe ich als Leihgabe eine Krämerbrücke erhalten bzw. eine Holzbaustein-Miniatur Ausgabe davon. Mehr Erfurt auf dem Tisch geht nicht. Davon wiederum bekam auch jeder Gast eine noch kleinere Ausführung in der Streichholzschachtel als kleines Geschenk und Erinnerung an den Abend - wie auch immer der ausgeht für mich. Long Story short - das Menü, sowie die Idee dahinter, als auch das Castingvideo fanden scheinbar Anklang. Der Anruf "Du bist dabei" kam schon wenige Tage später sowie die Info "...du bist direkt am Montag dran".

Na super - ich kenne also wirklich niemanden, weiß weder wie alt sie sind, noch welche Kochskills alle anderen haben und trete also zu einem "Wettbewerb" an, ohne auch nur einen Gegner zu kennen. Fantastisch. Aus meiner langjährigen "Perfektes-Dinner-Klugscheißer" Phase weiß ich auch, dass es der Montag ohnehin schwer hat. Da kommt ja schließlich noch so viel und man lässt sich gern noch was offen.

Außerdem weiß man schließlich nicht nur nicht wer kommt, sondern hat auch keinen Schimmer was auf einen zu kommt oder wie viele Kameras (oder wie groß die sind - Halleluja sind die groß!) in die eigene Küche passen... nun gut. Kneifen gilt jetzt nicht. Im Januar wurde mein Montag an einem Dienstag gedreht (was im Laufe der kommenden Tage bei mit zu ernsthaften Verwirrungs- und Ausfallerscheinungen führte) und die Woche davor lagen die Nerven schon blank. Erschwerend kam noch die Kleinigkeit des anhaltenden Lockdowns hinzu, was das Einkaufen schwierig gestaltete und die große Frage, was zieh ich an wenn ein TV Team kommt, stand auch noch im Raum. Was koche ich, war ja bereits geklärt. Zum Glück. Man stelle sich vor, ich hätte das spontan entschieden.



Was am 05.01. genau passiert ist, seht ihr am 01.03. um 19.00 Uhr auf Vox.

Auch ich sehe dann das erste Mal, wie unsere Woche im TV zu sehen ist, was gesagt und gesprochen wurde, während ich in der Küche am Rande des Nervenzusammenbruchs stand und mir immer wieder dachte "Warum eigentlich?"

SPOILERALARM

Zum jetzigen Zeitpunkt - ohne die Ausstrahlung gesehen und die Kommentare im Internet gelesen zu haben - fand ich es eine großartige Erfahrung, durch die ich wundervolle Menschen kennengelernt habe und ein Erlebnis auf mein "Haben" Konto schreiben kann, welches mir niemand mehr nehmen kann.

Auch meine Ehe ist noch intakt ( - nicht das daran Zweifel bestanden hätten, aber ich habe meinen armen Mann schon sehr eingespannt und auch mein fragiles Nervenkostüm rund um die Drehwoche galt es auszuhalten - immerhin durften wir nach unserem Drehtag wieder in unserem steril geputzten Haus Dreck machen....)


Ich bin gespannt auf alles was mich erwartet und freu mich euch dann in Teil 2 die schonungslose Wahrheit über die Drehwoche und das grooooße Finale, sowie mein Fazit zum Ganzen niederschreiben zu können.





Mehr Storys rund um das perfekte Dinner, meine Gerichte, Rezepte und mein Küchenchaos seht ihr (fast) täglich auf Instagram. Schaut doch mal vorbei, ich würde mich sehr freuen.








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