• Karo Kulinarik - Foodblog

Veganuary | Einen Monatlang vegane Ernährung und nun?

Das neue Jahr startet für viele Menschen mit Vorsätzen und nicht selten spielt die Ernährung dabei eine Hauptrolle. Schon in den letzten Jahren, aber wohl noch nie so prominent wie 2022, haben Menschen sich auf das Experiment "Veganuary" eingelassen = also den ganzen Monat auf tierische Produkte verzichten. Ich hab auch mitgemacht und da nun der der Januar vorbei ist, will ich euch kurz erzählen, was gut und nicht so gut gelaufen ist und wie es nun weitergeht.


*Es werden teilweise Markennamen genannt. Das erfolgt nur zu Informationszwecken und ist nicht vergütet worden. (Schön wärs gewesen.)



Meine Motivation

Die Gründe für vegane Ernährung sind vielfältig. Gesunde Ernährung, kein Tierleid und Rücksicht auf die Umwelt sind wohl die bekanntesten. Zudem kenne ich immer mehr Menschen die Vegan leben und auch die Nachfrage nach veganen Rezepten wird immer somit immer größer.

Nachdem der Dezember sehr "verfressen" war (das kennen wir sicher alle vom Raclette bis zum Weihnachtsbraten) und auch viele Eier und Milchprodukte in die Weihnachtsbäckerei geflossen sind, imponierte mir der Gedanke eines "Ausgleichmonats" auf dem Gewissenskonto und auch die Hoffnung, das ein oder andere vielleicht auch in die Zeit danach mitzunehmen. Ziel ist also nie gewesen, dass ich von jetzt auf gleich zum Veganer werde und - Spoileralarm - das hat sich auch vorerst nicht geändert. Das ich nicht vorhabe dauerhaft vegan zu leben, wurde allerdings schon ganz zu Beginn kritisiert, aber dazu komm ich noch.



Überraschung!


Es ist echt erstaunlich, was es mittlerweile alles so im Supermarkt gibt - von Discounter bis Biomarkt natürlich. Manchmal schlecht ausgeschildert und manchmal sieht man das V (für vegan) vor lauter Zertifikaten nicht, aber im Jahr 2022 vegan zu leben ist vermutlich um ein vielfaches einfacher als 2002 oder 1995.

So hab ich mich die ersten Tage durch den Dschungel der pflanzlichen Milchalternativen gekämpft, sowie zahlreiche Sorten von Käsevarianten und Co. getestet.

Ein großer Nachteil am Veganuary und das kann ich so auch nicht empfehlen: Es ist leider viel weggeflogen. Wenn ihr es besser machen wollt, dann probiert einfach mal beim nächsten Kaffee trinken auswärts oder bei Freunden, die vegan leben. Habt ihr ein Produkt gefunden, das euch schmeckt, dann direkt merken oder aufschreiben. So steht ihr später nicht hilflos einer riesigen Auswahl gegenüber.

Auch muss nicht jede Alternative für jeden Zweck geeignet sein. Im Kaffee gefällt uns die Hafermilch von Oatly in der Barista Edition am besten und zum Kochen habe ich am liebsten auf Soja Produkte zurückgegriffen. Auch die pflanzlichen Fleischalternativen haben echt überzeugt. Von Rügenwalder gibt es unheimlich viel wie Teewurst oder auch Schnitzel - beides wird weiterhin in unserem Kühlschrank landen.

Egal ob gekauft oder selbstgemacht - es gibt Alternativen die einen wirklich ins Grübeln bringen. Wozu machen wir noch Mayonnaise mit Eiern? Die vegane Alternative schmeckt genauso gut. lässt sich super verarbeiten und hält sich obendrein noch viel länger im Kühlschrank. Auch mit meinem Hafermilchkaffee bin ich nun mehr als happy und Gemüse kann Fleisch in Gerichten ersetzen, wenn man sich darauf einlässt, dass es eben anders, aber trotzdem super lecker schmecken darf.


Ausprobieren lohnt sich also - aber leider nicht immer. Mein größtes Verhängnis - das hatte ich bereits befürchtet - war der Käse.

Auch wenn es schöne Ansätze gibt und tollen Ersatz, der sogar schmilzt und toll aussieht - auch mit viel gutem Willen kann ich noch nicht dauerhaft auf diesen Verzichten. Aber ich werde weiter ausprobieren und wer weiß schon wie es weitergeht in der veganen Produktwelt. Wenn man das Tempo der letzten Jahre betrachtet, kann sich das eventuell auch noch ändern.





Das hat auch seinen Preis


Der Januar 2022 war unheimlich teuer und daher lassen sich Preise am besten an Produkten vergleichen die von sich aus einen unmittelbaren Vergleich liefern - bei Magnum Eis zum Beispiel oder veganem Frischkäse eines klassischen Frischkäseherstellers. Da fällt oft auf - entweder ist die vegane Alternative teurer oder bei gleichem Preis ist viel weniger Inhalt, was von außen nicht immer ersichtlich ist.

Grüße gehen raus an Ikea und Haribo, bei denen das nicht der Fall ist.

Wer sich dauerhaft vegan ernähren möchte, sollte daher nicht ausschließlich auf Ersatzprodukte bauen und lieber selbst kreativ werden. Vieles kann man zu Hause selbst herstellen oder anders "ersetzen" als 1:1 durch ein Industrieprodukt.

Dann spart man auch Verpackungsmüll, denn auch das ist mir negativ aufgefallen. Großpackungen sind eher die Ausnahme und vieles noch dreifach verschweißt und extra verpackt. Warum? Das darf sich gern noch ändern und bessern, denn auch das ist ja wichtig, wenn wir wieder an den Umwelt- und Klimaaspekt denken.


Die Gesundheit


Viel prophezeit wurde, dass ich mich doch ganz schnell so viel besser fühlen und sogar abnehmen würde. Haben ja auch schon viele bekannte Personen vorgemacht. Vielleicht kennt ihr solche Erzählungen auch.

Ein ehrlicher Enttäuschungspunkt, wobei ich daran selbst Schuld bin und zum Glück keine Erwartungshaltung an ihn hatte, denn in meinem Fall war das ein Satz mit X. Eventuell bin ich kein klassisches fleischessendes "Umsteigemodell", denn ich habe ja auch vorher sehr wenig und nur ausgewählt Fleisch gegessen und bei Milchprodukten auf die Herkunft geachtet. Heißhungerattacken und abendliche Schokounfälle, gab es in den letzten Tagen aber viel häufiger als früher. Das lag sicher an der Neugierde auch vegane Produkte zu testen, als auch, dass man manchmal eben doch nur Sparsam gegessen hat, wenn Rezepte nicht so geworden sind, wie man das gedacht hat oder gewohnt ist. Auch gab es jede Menge Kohlenhydrate z.B. in Form von Pasta, Brot und Reis. Abgenommen habe ich jedenfalls nicht dadurch ( - war aber auch nicht das Ziel).



Die Sache mit den Ersatzprodukten Entweder habt ihr es selbst schon gehört, oder sogar gedacht oder ausgesprochen: "Wozu ein veganer Schnitzelersatz, wenn du doch kein Fleisch mehr essen willst?" Auch hält sich nach wie vor das Vorurteil, dass das stark chemisch verarbeitete Lebensmittel sind, die künstlich oder gar gefährlich sind. Fakt ist aber, dass das ganz oft nur ein Vorurteil ist. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe klärt schnell auf und überrascht oft positiv. Vergesst zudem bitte nicht, dass die Fleischindustrie (zu ihrem Glück) nicht aufführen muss, womit die Tiere so gefüttert und behandelt wurden. Industriell produzierte Lebensmittel - egal ob vegan oder nicht - sind immer irgendwie behandelt und haltbar gemacht und da gibt es klar schwarze Schafe. Bei jeder Ernährungsweise.


Doch warum jetzt genau der Ersatz? Wieso Mett aus Reiswaffeln machen?

Ich finde Ersatzprodukte helfen ungemein bei der Umstellung. Im Alltag hat jeder seine ihm bekannten Wohlfühlgerichte, die man in regelmäßigen Abständen auf den Wochenplan setzt, mit denen man aufgewachsen ist und die schon fast zum Familienritual geworden sind. Gerichte mit denen echte Emotionen verknüpft sind und auf die wir gern zurückgreifen oder mit denen wir uns belohnen, wenn es im Alltag hektisch wird. Auch natürlich weil es einfach ist. Kochen und genießen ohne Nachzudenken sozusagen. Bei vielen von uns ist das nun mal Spagetti Bolognese und nicht die Tofu-Curry Bowl.

Auf diese Sicherheitsgerichte zu verzichten, fällt wohl am schwersten und weil Verzicht der Feind einer dauerhaften Umgewöhnung ist, sind Ersatzprodukte eine super Erfindung, wie ich finde.


Bin ich denn nie vegan genug?


Kaum begann das Experiment, machte ich schnell Bekanntschaft mit der - ich nenne sie liebevoll - Veganpolizei. Kann man überhaupt jemals vegan genug sein? Tierische Produkte sind auch in Getränken, Kosmetik und Alltagsgegenständen versteckt und ist es richtig Firmen mit dem Kauf veganer Produkte zu unterstützen, wenn sie doch auch Gewinne mit tierischen Produkten erwirtschaften? Ist mein Essen noch vegan, wenn es auf den gleichen Produktionsstrecken verarbeitet wird, wie die Lebensmittel mit tierischen Inhaltsstoffen, selbst wenn diese gereinigt werden?

All diese Fragen haben mich zwischenzeitlich sehr verunsichert, wobei es doch so einfach ist. Es ist total egal. Meiner Meinung nach ist jeder Schritt wichtig und gut, egal ob nun einen Monat im Jahr, zwei Tage die Woche oder den Rest meines Lebens. So möchte ich auch ganz lieb Danke sagen an all die lieben veganen Blogger:innen da draußen, die mich mit Tipps versorgt haben, Rezepte rausgerückt und Verständnis für kleine Durchhänger entgegengebracht haben.

Ihr entscheidet also einfach selbst, wie vegan ihr sein wollt und seid bitte stolz auf euch für jeden Einkauf, bei dem ihr am Billigfleisch und den Eiern aus Legebatterien vorbei geht. Am besten so lang, bis es diese Regale nicht mehr gibt. (Ich hoffe, ich erlebe das noch.)






Tipps und Tricks, falls ihr es nächstes Jahr (oder wann auch immer) mal probieren wollt.


Wie bereits geschrieben, kann es sehr hart und auch sehr teuer sein von 0 auf 100 in ein veganes Leben zu starten. Da sind ja noch Lebensmittel im Kühlschrank und wo ist eigentlich was drin? Ein krasser Umstieg kann also auch eine krasse Lebensmittelverschwendung bedeuten.

Zudem ist es auch mit einer Crashdiät vergleichbar und wir alle wissen, wie lang man sowas durchhält. Nach den ersten zwei Wochen, habe ich ehrlich gesagt nur durchgehalten, weil ich wusste, das danach wieder Käse und Eier auf den Speiseplan kommen. Die Lust hinzuschmeißen war definitiv da.

Lieber nach und nach Dinge ausprobieren und kleine Schritte gehen. Erstmal auf Fleisch verzichten und danach auf Eier oder Milch, erscheint mir rückblickend sinnvoller und auch nachhaltiger. Ab und an mal klassische Gerichte "veganisieren" und schauen, ob das was mit dem Geschmack macht oder ob das vielleicht doch eine gute Alternative sein kann. So steht man nicht komplett ahnungslos vor der großen Umstellung und weiß, wo man angreifen kann. Dann hält man auch besser durch (nascht vielleicht nicht soviel wie ich) und ist eventuell motiviert genug auch weiterzumachen.


Irgendwas, das bleibt?

Ganz klares Ja und somit hat sich das Experiment doch schon gelohnt. *Szenenapplaus* Besonders beim Kochen und Backen, muss es nicht immer das tierische Original sein, denn ganz oft schmeckt es genauso gut - vielleicht etwas anders, doch das ist viel mehr eine Sache der Gewohnheit und nicht des Geschmacks und über den kann man ja gern streiten.

Zum Beispiel bin ich immer noch kein Tofu Freund, aber nicht weil ich mich weigere mit bescheuerten Argumenten, sondern weil ich scheinbar den Geschmack einfach nicht mag, so wie Rosenkohl oder Erdnüsse mit Schokolade (was die meisten viel weniger verstehen, als das mit dem Tofu).

Aber wenn man nur aus Gewohnheit oder gar Bequemlichkeit aus Prinzip gegen etwas ist, dann entgehen einem viele tolle Gerichte und Geschmackserfahrungen. Das kann man als echter Foodie ja auch gar nicht wollen, oder?

Ich bin und bleibe also von Herzen ein neugieriger Flexitarier, der mit offenen Augen durch den Supermarkt läuft und in Zukunft sicher noch häufiger pflanzliche Gerichte ausprobiert und aus Klassikern etwas Neues macht. Und mal ehrlich, wer kann schon sagen, ob das eine klassische Bolognese ist oder eben doch vegan?

Denn am Ende zählt für mich vor allem, dass es schmeckt. (...und vielleicht dabei gut aussieht.)




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